Mit Biss im Riss oder Wie zum Geier krieg ich meinen Fuß wieder aus der Spalte?
In freudiger Erwartung auf ein entspanntes Wochenende mit etwas Risskletterkunde rollten wir – Jule, Janita und Markus – am 9. Mai 2025 um 19:01 Uhr auf den Parkplatz des Naturfreundehauses Laacher See.
Lauthals wurden wir im Chor mit den Worten „Zu spät!“ begrüßt. Ganz zur Zufriedenheit des Kursleiters, der somit nicht der Letzte war.
Wir brauchen Risshandschuhe? Ups! Zum Glück wurden wir noch am Parkplatz von den Wiederholungstätern des letzten Jahres sehr freundlich ausgestattet.
Nach den ersten theoretischen Einweisungen via YouTube und Literatur stellte sich uns schnell die Frage: Wo ist hier der Ausgang? Die Rissklemmtechniken schienen fragwürdig und schmerzhaft bis hin zu utopisch als das Thema der Ringlocks aufkam.
Und was zum Henker machen wir, wenn der Fuß im Riss stecken bleibt? Als Beruhigung führten wir uns vor Augen, dass die Teilnehmer nach dem Risskletterkurs des letzten Jahres nochmal an der Anlage gesehen wurden und dieses Jahr optimistisch einen erneuten Versuch wagten. Jule ergänzte: Zumindest schneit es dieses Jahr nicht.
Zum Ausgleich für die Strapazen widmeten wir uns später einer Runde Kicker und entließen David und Simon ins Mayener „Ghetto“ – wo sie direkt in einen Polizeieinsatz gerieten.
Am nächsten Morgen trafen wir uns in aller Herrgottsfrühe im Ettringer Steinbruch und starrten planlos die Risse an. Jule kommentierte: Zumindest ist das Wetter gut.
Gekonnt und in stummer Waldorfmanier tanzte Simon uns die erste Route Purple Haze vor. Spätestens jetzt wurde uns klar, dass dies kein Spaziergang wird. Und von Griffen und Tritten keine Spur.
Zum Glück verschob sich die Frage, wer nun als Erstes in den Riss geht, als Udo mit Geburtstagssüßigkeiten für ein zweites Frühstück sorgte. Martin war begeistert. Dann ging es für uns in die Risse und unter Gestöhne und Gefluche arbeiteten wir uns bis oben durch. Janita war erstaunt, wie gut Hände und Füße in den Riss passten und dass sie oben ankam, während Markus fluchend lediglich mit den Fingerspitzen nach oben piazte. Dies war nicht lange möglich, weil die Piazpolizei – aka Andreas – genau darauf achtete, dass die jeweilige Route mit den gelernten Techniken (Knieklemmer, Ringlock, Hand-/Fausttechnik) bewältigt wird. Sobald er einen Verstoß witterte, wich er einem nicht mehr von der Seite, ehe die Aufgabe gelöst war.
Nadine, die am Tag davor schon in Ettringen klettern war, bereitete uns gegen Mittag auf die zu erwartenden schmerzhaften Beulen und blauen Flecke an Händen und Füßen vor.
Während einer gemütlichen Mittagspause mitsamt ausführlicher dermatologischer Beratung für die Sonnenanbeterinnen, die sich direkt den tödlichen Strahlen aussetzten, versorgte uns Judith liebevoll mit selbstgebackenen Muffins.
Zum Ausklang flohen einige Neulinge in etwas gediegenere Gebiete und widmeten sich dem Plaisierklettern an echten Tritten und Griffen. Und siehe da, der ein oder andere kleine Riss konnte ebenfalls genutzt werden. Okay, vielleicht doch nicht so abwegig die ganze Sache. Jule ergänzte: Zumindest ist das Wetter gut.
Abends trafen wir uns allesamt in einem Kairo-Bistro und waren von der ägyptischen Speisekarte vollkommen begeistert. Neben Muskelkaterwein und Balubereis gab es dort kulinarische Besonderheiten wie Macoiaschurle, sogar in gruß ... Und alles sehr lecker. Im Anschluss daran entließen wir David und Simon wieder in ihr Ghetto, wo sie erneut dem Unruhestifter der vergangenen Nacht in die Arme liefen. Schönes Landleben eben.
Am nächsten Morgen irrten wir erstmal durch den Wald, um die Dürener Wand zu finden. Jule kommentierte: Zumindest ist das Wetter gut.
Und nicht nur das: Die erlernten Techniken ließen sich tatsächlich einwandfrei an den Wänden einsetzen. Dabei bemerkten wir, dass verschiedene Handgrößen durchaus kriegsgewinnend sein können. Spätestens jetzt erlebte auch der letzte Rissverweigerer Erfolge und konnte an seinen Techniken feilen. Selbst Josie wagte sich mit ihrem vor Wochen gebrochenen Finger in die Risse. Thorsten und Ingo eroberten im Rotpunkt mit Keilen und Friends eine schöne Route für alle mit wundervollem Ausguck in den Sektor Music Hall.
Heiko, behängt wie ein Tannenbaum mit dem gesamten verfügbaren Sortiment an Friends, wagte sich in den Körperriss. Gefolgt von Nancy, die sich mit beeindruckender Beharrlichkeit Millimeter für Millimeter vorarbeitete. Andreas war begeistert. Markus kroch wie die kleine Raupe Nimmersatt den Riss hoch und war nun endgültig vom Rissklettern überzeugt. Judith warb noch für den Handsauger, den fast alle als Abschluss als besonders schön bewerteten.
Mit schmerzenden Händen und Füßen, aber glücklich und erfüllt, beendeten wir unseren Risskurs. Und unsere Sicht hat sich geändert: Ein Riss ist nun nicht mehr nur eine Lücke im Fels, sondern eine willkommene Ergänzung zur Kletterroute. Und auf Andreas Frage hin, ob wir nächstes Jahr wieder dabei sind, können wir aus vollem Herzen ja sagen.
Kategorie:
Klettern
