Grundkurs Klettersteigen - "Klettersteige, ihr seht mich wieder!"

29. September 2024 - 3. Oktober 2024
Björn Somberg


29.09. bis 03.10.2024, Hans-Berger-Haus, Wilder Kaiser

Materialausgabe Ende September im Nordsternpark. Erwartet hatte ich ein Klettersteigset mit Karabinern und Helm, bekommen habe ich zusätzlich 30 m Seil, Schnapp-, Dreh- und HMS-Karabiner sowie Ringschlaufen in diversen Längen. Okay.

Die Anreise war individuell geregelt. Ich dachte mir, wenn ich den ganzen Tag mit der Bahn unterwegs gewesen wäre, hätte ich garantiert keine Lust mehr, danach noch die 10 km von Kufstein zum Hans-Berger-Haus aufzusteigen, und reiste deshalb schon am Samstag an.

Sonntag, gut ausgeschlafen, machte ich mich dann bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg. Vom Kaisertal-Parkplatz kann man über den Kaiseraufstieg durch das Kaisertal in ca. 2,5 Stunden zum Hans-Berger-Haus aufsteigen und muss dabei nur 450 Höhenmeter meistern.

Da das Wetter gut war und ich den ganzen Tag Zeit hatte, baute ich noch einen Schlenker über die Ritzaualm und die Vorderkaiserfeldenhütte ein, um von dort über einen schmalen Wanderweg zum Hans-Berger-Haus zu gelangen.

Pünktlich zum Abendessen hatten es alle Kursteilnehmer zum Hans-Berger-Haus geschafft.

Der Klettersteigkurs war recht sparsam besetzt – im Grunde genommen war ich der einzige Teilnehmer – aber zum Glück waren noch Udo und natürlich Oliver dabei!

Zusammen mit dem parallel stattfindenden Grundkurs Bergwandern von Gudrun waren wir zu siebt.

Sonntagabend ging es nach dem Abendessen sofort mit einer Theorieeinheit zu Knoten- und Materialkunde los und ich verstand nun auch, warum ich die zusätzlichen Seile und Karabiner ausgehändigt bekommen hatte.

Montagvormittag wurden die theoretisch gelernten Fähigkeiten in der Praxis noch einmal geübt und ich konnte, bevor es richtig losging, in der Boulderhalle an der Hütte überprüfen, ob ich mich nun wirklich selbst aus Notsituationen im Klettersteig retten konnte und vor allem auch, wie ich Mitkletterern in der Not helfen kann.

Die frisch gelernten Techniken mussten jetzt nur noch in der Realität überprüft werden. Dazu machten sich Oliver, Udo und ich am Vormittag auf zum Stripsenjochhaus.

Als Aufstieg wählten wir eine Variante über einen schwarzen Wanderweg, welcher seilversichert ist und sich gut für einen Erstkontakt mit dem Klettersteig eignet.

Der Einstieg zu diesem Wegstück ist eine lange Eisenleiter, an der ich das Szenario „Udo kann nicht mehr und braucht Unterstützung.“ durchspielen sollte. Dank der guten Vorbereitung konnte ich einen Expressflaschenzug bauen und Udo damit in dieser „Notsituation“ helfen.

Nachdem diese Situation gemeistert war, ging es vorbei am Stripsenjochhaus zum Eggersteig und zur Steinernen Rinne. Den Klettersteig konnten wir aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nicht mehr komplett gehen, allerdings konnten wir einen kurzen Blick in die berühmte Steinerne Rinne werfen.

Langsam hatte sich eine Routine bei mir eingestellt, ich war nicht mehr so angespannt und konnte auch wieder lachen. Den Zeitrahmen bis zum Abendessen haben wir an diesem Tag komplett ausgenutzt.

Auf dem Plan für den nächsten Tag stand der Kaiserschützensteig. Das Wetter war immer noch super, allerdings kam ich an diesem Tag an meine Grenzen. Um zum Einstieg des Kaiserschützensteig zu gelangen, mussten wir noch 700 Höhenmeter bewältigen, was uns gute 2,5 Stunden gekostet hat. Schon beim Aufstieg merkte ich, dass dies nicht mein Tag wird, und entschied mich am Einstieg zum Klettersteig schweren Herzens dazu, nicht weiterzugehen und wieder abzusteigen. Der Hüttenwirt empfing mich mit den Worten „Gute Entscheidung! Die Berge sind nächstes Jahr auch noch da!“

In der nächsten Theorieeinheit lernte ich, was Risikomanagement in den Bergen bedeutet, und mir wurde im Nachhinein noch einmal klar: Es war die richtige Entscheidung.

Am Mittwoch machte uns leider das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Nach einer weiteren Theorieeinheit zum Thema Wetterkunde brachen wir dennoch auf, weil der Regen nachlassen sollte. Hat er auch, aber dann kam er leider wieder und wurde immer stärker.

Oliver und Udo haben es trotzdem versucht und sind zum Stripsenjochhaus aufgestiegen, um dort den Übungsklettersteig zu erkunden.

Ich schloss mich der Bergwandertruppe von Gudrun an und übte Schritttechniken im Geröll.

Was wir alle an diesem Tag gemeinsam hatten: Wir mussten früher oder später abbrechen. Der Regen wurde zu stark. Aber immerhin konnten wir unser Material auf Dichtheit prüfen!

Am Donnerstag beruhigte sich das Wetter wieder und wir konnten alle gemeinsam im Trockenen zum Kaisertal-Parkplatz absteigen.

Mein Fazit: Mir hat der Kurs irre viel Spaß gemacht. Ich habe viel gelernt, in Theorie und Praxis. Wir haben lange zusammengesessen und schöne Gespräche geführt. Ich durfte neue interessante Leute kennenlernen. Bitte mehr davon!

Und die Klettersteige, die sehen mich auf jeden Fall wieder!

Kategorie:
Ausbildung



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